
Mein Neffe ist seit einem Unfall im Rollstuhl. Wenn er uns besuchen kommt, muss er die lange Gartentreppe runter und die Treppe am Eingang wieder rauf. Er geht selbstverständlich davon aus, dass Leute parat sind, ihn zu unterstützen. Er macht es uns total einfach. Ihm zu helfen ist eine normale Handlung, als würde man jemandem am Tisch das Salz reichen. Die Behinderung ist nicht im Zentrum. Die Räder des Rollstuhls sind einfach nicht für eine Treppe geeignet. Er erklärt ganz ruhig, wer wo was zu tun hat. Das heisst natürlich nicht, dass seine Behinderung egal oder nicht scheisse ist. Aber so wie es ist, ist es einfach normal. Die Behinderung gehört zu ihm. Als ein Freund das erste Mal half, ging es ihm danach sehr gut. Seine anfängliche Unsicherheit wurde durch die Gelassenheit meines Neffen weggeblasen. Die Erfahrung half dem Freund, so erzählte er später, mit den eigenen Schwächen aktiv und selbstbewusst umzugehen und wo nötig ganz natürlich um Unterstützung zu bitten. So hilft einer dem Andern.
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