
Meine Gemeinde ist ziemlich reich. Sie steht im Kanton auf Platz zwei von 108 Gemeinden bezüglich Finanzkraft. Und im Ökorating auf Platz hundert. Gleichzeitig ist man stolz auf das Energiestadt-Gold-Label. Krass, oder? Hier wohnen sehr viele sehr reiche Menschen und es ist ja bekannt, dass gerade die einen besonders grossen CO2-Fussabdruck haben. Als ich dann erfahren habe, dass der Rahmenkredit für Klima, Energie und Biodiversität gekürzt werden soll, hat mich das beschämt und provoziert, dem einen Riegel zu setzen.
In der letzten Vierjahresperiode wurde der Kredit frühzeitig ausgeschöpft, der Bedarf war also eindeutig da. Wir hatten vor Ende der Periode einen Nachtragskredit beantragt, der wurde sehr knapp, mit Stichentscheid des Gemeindepräsidenten abgelehnt. Und als jetzt der neue Rahmenkredit zur Debatte stand, sollte der plötzlich noch tiefer sein als der alte. Aus der Frustration heraus wollte ich eigentlich eine Verdopplung fordern, aber ich habe mich mit meinen Mitstreiter*innen dann auf eine moderate Erhöhung von zwanzig Prozent statt der von den Behörden vorgeschlagenen Senkung um zwanzig Prozent geeinigt. Wir wollten so die uns zugeneigten Parteien für eine Unterstützung gewinnen, leider vergeblich. Sie meinten, das Anliegen habe keine Chance, und sie wollten nicht auf der Verliererseite stehen.
Gemacht haben wir es trotzdem. Die Details ausgearbeitet, den Antrag formuliert und bei der Gemeinde eingegeben. Die Abstimmung war glücklicherweise nicht an der Urne, sondern an der Gemeindeversammlung. Da ist die Kommunikation direkter und menschlicher. Drei von uns haben aus ihren unterschiedlichen persönlichen Perspektiven den Antrag begründet. Ich habe probiert, es nicht einfach schwarz-weiss darzustellen, sondern gesagt, dass ich auf eine ökologische Wohngemeinde stolz sein will. Du kannst dich eins zu eins an die Abstimmenden wenden, ihnen in die Augen schauen und ein kleines Zunicken gibt dir nochmals Schwung. Unsere Argumente konnten wir gut rüberbringen und sie haben offenbar gestochen. Jedenfalls hat die Versammlung unseren Antrag gutgeheissen.
Ich bin von Herzen ein politisch interessierter Mensch und engagiere mich gerne dort, wo ich wohne, wo ich mich gut auskenne. Bei der Nachhaltigkeit reizt mich vor allem, wenn ich sehe, dass mehr möglich wäre, als gerade gemacht wird. Sicher ist es ein Problem, dass die ganz Grossen wenig machen oder in die falsche Richtung arbeiten. Aber es macht ja keinen Sinn, die Schuld auf andere abzuschieben. Wir sehen zum Glück, dass in China und sogar in den USA trotz allem viel gemacht wird. Aber das reicht nicht. Wir alle müssen helfen, es braucht uns alle, auf allen Ebenen, von oben, von unten und in allen Ecken der Welt, also auch vor meiner Haustüre. Zum Glück habe ich immer noch Spass dabei. Aber nicht vergessen: Selbstfürsorge ist wichtig, damit man länger weiterkämpfen kann.
Wie trägt diese Geschichte zum Systemwandel bei?
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